Le prix Korczak 2015Im Rahmen der Korczak-Preisverleihung am 2.2.2016 wurde den Mitarbeitern des Abrigados, für die sich stellvertretend die Direktion des CNDS beworben hatte, eine besonder Ehrung zuteil. Sie bekamen für ihr langjähriges Engagement die « Mention 2015 » ausgesprochen.

Die Beiden Koczak Preise 2015  gingen an die Kollegen von « Femmes en Détresse » und « Fondation Maison de la Port ouvert » für ihre Einsatz für dir Menschlichkeit. Hierzu gratulieren wir recht herzlich. Hier hat das Korczak-Preis Komitee eine sehr gute Wahl getroffen.

Bei der Würdigung durch Gilbert Pregno von der Fondation Kannerschloss wurde der Einsatz der Abrigado-Mitarbeiter unter oftmals schweren Bedingungen gelobt.  Ebenso, was aus dem kleinen Projekt Camionette von Tom Schlechter und seinem Team in den 90er Jahren und durch das Engagement der Mitarbeiter geworden ist.

« …d’Mataarbechter vun ABRIGADO, an stellvertretend all Profie di sech der Hëllef vun Mënschen verschreiwen di an grousser Not sin, mussen mer würdegen fir hieren Asaz fir Würd. Würd ass matt all Mënsch verwuess an di Bindung ass net veräusserlech an net verhandelbar. An dem Sënn sid der alleguerten en Aart Lobbyisten fir Mënschenrechter. » Zitat : Gilbert Pregno

Auch Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und der Justizminister Felix Braz dankten den anwesenden Mitarbeitern in ihren Reden  für ihr Engagement.

Die Dankesrede wurde vom Chargé de Dirction des Abrigados, Patrick Klein gehalten.

Zeitungsartikel Preisverleihung

Dankesrede:

« Viele soziale Projekte finden ihre Anfänge im ehrenamtlichen Engagement von Bürgern oder in der bedarfsorientierten Motivation professioneller Personen. Durch ihren Einsatz werden sehr oft erstmalig soziale Missstände aufgezeigt und in den gesellschaftlichen Fokus gerückt.  Soziale Ungleichheit, Elend oder die Ausgrenzung einzelner Gruppen in der Gesellschaft werden kenntlich gemacht und deren Bedürfnisse finden durch entsprechende Aktionen -im Idealfall- Einzug in die politische Agenda oder – im noch besseren Falle- in die Regierungsprogramme. Motivierte Bürger und Professionelle stoßen Hilfs-Projekte an, die dann auch auf Grund ihrer wachsenden Komplexität und Organisation vom Staat übernommen, gelenkt und finanziert werden müssen oder auch sollen. Soziale Vereinigungen übernehmen dies in der Regel für den Staat. Sogenannte Konventionsträger. In unserem Falle handelt es sich um das „Comite national de defence social ……Kurz CNDS.

Soviel zum rein technischen Aspekt von Hilfsprojekten.

Das Abrigado, so wir es heute kennen, ist –  mit seinem Drogenkonsumraum- so ein Konventioniertes Projekt. Das Abrigado, vormals Tox-In,  ist ein Kind der 80er/90er Jahre und Resultat vieler motivierter Hände und Köpfe. Die Grundsteine wurden vom Korczak Preisträger Tom Schlechter (1993) mit seinem Team und der Camionette gelegt. Tom Schlechter brachte der Sozialarbeit -salopp ausgedrückt- das laufen bei. Der Streetwork wurde dadurch en Vogue.  Er und seine Equipe von motivierten Ehrenamtlichen und Professionellen legten den Grundstein der Akzeptanzorientierten Drogenhilfe in Luxemburg in den 90er Jahren. Ihre Arbeitsansatz war damals alles andere als akzeptiert und selbstverständlich. Weder in der Gesellschaft, der Politik oder auch bei den Kollegen im Professionellen Netzwerk.

Tom und seine Kollegen gaben die Denkweise vor. Sie kreierten durch ihre Ansätze den eigendlichen  Geist des Bas Seul den -Esprit der Niedrigschwelligen Drogenhilfe.  Sie waren da für die Ausgegrenzten, die Sonderlinge, die Illegalen. Im Zeitalter der aufkommenden HIV-Infektionen standen sie der Randgruppe der Drogenabhängigen und Prostituierten zur Seite, und kämpften für ihre Gesundheit und ihre Rechte. Nicht immer gern gesehen von den Autoritäten. Für sie Stand der  Mensch im Mittelpunkt.  

Sie ebneten den Weg für viele bedarfsorientierte Drogenhilfe-Projekte der Zukunft.

Dies ist nun über 20 Jahre her. Von dem Urteam aus der Camionette arbeitet noch eine Kollegin im Abrigado. Viele neue Kollegen kamen, und einige wenige gingen auch wieder. Viele Umzüge wurden bewältigt, von der Camionette, ins erste Containerkonstrukt, dann in das Zweite und 2012 in das Aktuelle Provesorium. Begleitet von Erfolgen und Misserfolgen und…. Begleitet vom Tod vieler Drogenabhängigen die man über die Jahre sehr gut kannte.

Unsere Existenz ist zwar für viele Bürger und Politiker noch keine Selbstverständlichkeit aber wir haben heute einen Drogenkonsumraum (einer von Weltweit 80), die Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden, den Therapieeinrichtungen, vielen  Ärzten und den politisch Verantwortlichen läuft sehr gut. Unser größter Fan, man kann es kaum glauben,  ist heute die Polizei.  Darauf sind wir stolz.

Ebenso konnten die  tödlichen Drogenbasierten Überdosierungen reduziert werden und die Arbeit des Abrigados findet seine Anerkennung bei vielen Ausländischen Projekten.  Wir gehören zu den Modernsten und zu den professionellsten Einrichtungen Weltweit. Zum Beispiel ist das Abrigado Partner des neuen Drogenkonsumraums in Paris.

Und vor allem: Für die meisten schwerst Abhängigen  Drogenkonsumenten steht das Abrigado….- sie nennen es liebevoll-….Container oder einfach nur Fixerstuff-  für Bedarfsorientierte Hilfe sowie Schon und Schutzraum. Fernab von Stigmatisierung und Ausgrenzung. Abrigado kommt aus dem Spanischen. Es Bedeutet nichts anderes als Schutzhütte.

Aber wer ist das Abrigado?

Schlussendlich sind es über 30 Frauen und Männer die Tagtäglich professionelle Hilfe leisten im Auftrag des Staates. Sie haben nicht nur das Richtige im Kopf…..- Soviel zum Thema Professionalität-….. sondern sie haben auch das Herz am richtigen Fleck. Sie tragen den Esprit der Anfangsjahre in sich und sie tragen in weiter. Dieser Geist wird gehegt und gepflegt. Dies zeigt sich oft in intensiven emotional behafteten Falldiskussionen die regelmäßig geführt werden. Der Mensch steht auch hier im Mittelpunkt. Sie gehen teilweise bis ans Äußere um Menschenleben zu retten, Krisen zu bewältigen und um Drogenabhängigen Menschen bei der Integration in soziale Strukturen, in das soziale Netz zu unterstützen.

Bis heute können die Mitarbeiter des Abrigados durch ihre Arbeit den politischen und Gesellschaftlichen Fokus auf die Drogenproblematik und auf die Schicksale jener davon betroffenen Menschen lenken, ohne dass dies  politisch und gesellschaftlich „in Vergessenheit“ gerät oder Verdrängt werden kann. Der Anfängliche Geist, den die ehrenamtlichen Initiatoren dem Drogenhilfe-Projekt verliehen haben, lebt in den Mitarbeitern weiter. Stärker denn je!

Ohne das Engagement und die Menschlichkeit dieser Frauen und Männer kann keine zielführende Hilfestellung für die Klienten erfolgen.  Es ist nicht die Institution oder „das ABRIGADO“ welche die komplexen, gesellschaftlich und individuell bedeutsamen  Leistungen erbringt.

Es sind die Mitarbeiter!

Sie hinterfragen beharrlich das bestehende Hilfesystem, analysieren Probleme, werfen unbequeme Fragen auf und  entwickeln Lösungsvorschläge um dem komplexen und gesellschaftlich bedeutenden Drogenproblem entgegenzuwirken. Die Mitarbeiter sind mit Herz und Kopf bei der Arbeit und machen ihre Arbeit gerne und gut. Sie haben sich wissentlich dazu entschieden genau hier zu Arbeiten.  Sie wollen den gesellschaftlichen Diskurs aufrechterhalten und Menschen helfen in einer leistungsorientierten Gesellschaft zu überleben. Dies geschieht täglich unter schwersten Bedingungen. Sie generieren den Mehrwert für die betroffenen Drogenkonsumenten und schlussendlich für die gesamte Gesellschaft. Sie kümmern sich um die Menschen die sonst überall abgeschoben, ignoriert oder „weggesperrt“ werden.

Schwerstdrogenabhängige Menschen mit all ihren Problemen, zerstörten sozialen Bindungen und scheinbar ohne Perspektiven. Die Mitarbeiter versuchen die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft aufrecht zu halten und vorzuleben. Und…. Sie lassen sich auf ihrem Weg nicht entmutigen. Weder durch Regierungswechsel oder sonstige Populistische Forderungen nach noch mehr Strafverfolgung und noch mehr Repression.

Wir sehen uns als Fels in der Brandung in einer zunehmend Leistungs- und Ökonomisch orientierten Gesellschaft. In der soziale Errungenschaften in Frage gestellt und einem Teil der Gesellschaft der Zugang zur sozialen Sicherung verwehrt wird. Sei es durch gesetzliche Grundlagen, hier sei nur der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung erwähnt, oder durch interne Reglements die einem aktiven Drogenabhängigen im Voraus den Zugang zu diversen Hilfsangeboten verweigern. Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.

Die heute Empfangene Würdigung nehme ich gerne im Namen der Mitarbeiter entgegen. Denn Sie haben sich dazu Verpflichtet, den Geist, den die Projektgründer vorgelebt haben weiter zu leben und zu pflegen.

Jetzt muss ich mich einem Wort aus der Ökonomie Bedienen. Sie sind unser Humankapital!

Und….sie sind der lebende Beweis dafür, dass es sich lohnt die Idee einer gerechteren Gesellschaft weiter zu verfolgen.

Dies soll ein Ansporn sein für all die Sozialen Arbeiter die sich Ähnlichen Herausforderungen stellen müssen. Ich bedanke mich im Namen der Abrigadisten.

Ich denke das Motto unserer Personalpolitik bringt es auf auf den Punkt:

Wir brauchen Typen und nicht nur Diplome.

Merci »