Drogenkonsumraum


 

Der Drogenkonsumraum des Abrigado wurde 2005 eröffnet und ist zurzeit der Einzige für ganz Luxemburg.

In Europa gibt es (Stand 03/2015) 87 Drogenkonsumräume. Weltweit gibt es (inkl. Europa) 90 Drogenkonsumräume.

Die räumlich am nächsten liegenden Konsumräume sind die deutschen Konsumräume in Saarbrücken, Aachen, Bonn und Köln. Belgien und Frankreich haben (noch) keine Konsumräume. Aber Konsumräume in Paris, Strasburg und Bordeaux sind für 2017 geplant. Das Abrigado unterstützte die  Drogenexperten der französischen Regierung und der Pariser Drogenhilfeeinrichtung GAIA beratend bei der Konzeption des Konsumraumprojektes.

Im Nationalen Drogenbericht 2014 geht man davon aus, dass knapp 1.900 Menschen in Luxemburg intravenös konsumieren. Insgesamt wird angenommen, dass ca. 2.400 Menschen im Land schwerst drogenabhängig sind. Im Abrigado-Drogenkonsumraum haben sich seit 2005 über 1.400 verschiedene Personen angemeldet. Durchschnittlich finden aktuell (09/2015) täglich ca. 180 Konsumvorgänge statt. Bis zu 330 Konsumvorgänge pro Tag sind möglich. Zwei lebensbedrohliche und 14 leichtere Überdosierungen werden durchschnittlich pro Monat behandelt.

Anfangs (2005) wurde unser Drogenkonsumraum mit sieben Plätzen ausschließlich für den intravenösen Konsum betrieben. Hier wurden wichtige Erfahrungen gesammelt und die Akzeptanz bei den Drogenkonsumenten stieg, den Konsumraum zu nutzen. Im Februar 2012 erweiterten wir das Angebot um fünf, im November 2014 noch einmal um zwei zusätzliche Plätze für den inhalativen Konsum (rauchen) von Heroin und Kokain.

Aktuell besteht der Drogenkonsumraum des Abrigado aus einem Überwachungsraum für die Mitarbeiter und insgesamt 14 Konsumplätzen. Diese unterteilen sich in acht Plätze für den intravenösen und sechs Plätze für den inhalativen Konsum von Heroin und Kokain.

Hier können volljährige Drogengebraucher mit Konsumerfahrung ihre mitgebrachten Drogen unter hygienisch einwandfreien Bedingungen und unter Aufsicht von geschultem Fachpersonal (Erzieher, Pflegepersonal, Psychologen) konsumieren. Sie bekommen saubere Injektionsmaterialien und werden vor, während und nach dem Konsumvorgang von den Mitarbeitern begleitet. Diese bedienen sich in den situationsbezogenen Gesprächen den Methoden der Safer-Use-Beratung, praktischen Konsum- und Hygieneberatung.

Die Plätze für den inhalativen Konsum befinden sich in einem abgeschlossenen, gut einsehbaren und belüfteten Raum (auch Blowroom genannt) innerhalb des Drogenkonsumraums. Diese Erweiterung soll den Klienten die Möglichkeit bieten, von risikoreicheren und gesundheitsschädlicheren Konsumformen (intravenös) auf eine risikoärmere und weniger gesundheitsschädliche Konsumform umzusteigen. Ebenso wirkt sich dies positiv auf die psychische/physische Verfassung, das Infektionsrisiko sowie auf den Rückgang von ausgegebenen Nadeln aus. Dies gilt mittlerweile als internationaler „Gold-Standard“ für Drogenkonsumräume, dessen Effektivität sich in anderen Ländern schon bewiesen hat.

Aktuell finden ca. 54% des Konsums intravenös statt, d.h. in 46% der Konsumvorgänge wählen die Klienten eine risikoärmere Variante des Konsums.

Zur Nutzung des Konsumraums müssen die Klienten bereits intravenöse oder inhalative Konsumerfahrung haben. Dies bedeutet, dass Erst- und Gelegenheitskonsumenten keinen Zugang erhalten. Die Klienten müssen volljährig sein und dürfen sich nicht in ärztlicher Substitutionsbehandlung befinden. In einer Erstberatung werden die Klienten auf die Hausordnung und über weitere mögliche soziale und pflegerische Hilfestellungen des Abrigado informiert. Dies umfasst auch den Hinweis, sich regelmäßig auf Hepatitis und HIV testen lassen zu können. Im Anschluss an die Erstberatung vor Eintritt in den Drogenkonsumraum wird mit dem Klienten ein Vertrag abgeschlossen.

Der Drogenkonsumraum ist aus Sicherheitsgründen parallel zum Kontakt-Café geöffnet. Der letzte Einlass ist bis 30 Minuten vor Schließung der Einrichtung möglich.

Mit seiner niedrigschwelligen und akzeptanzorientierten Kontaktmöglichkeit erfüllt der Drogenkonsumraum eine Brückenfunktion in weiterführende Angebote gesundheitlicher und psychosozialer Unterstützung. Er ist organisatorisch eingebettet in das soziale und medizinisch orientierte Hilfesystem der Stadt Luxembourg.

Auf Basis der Luxemburger Konsumraumverordnung, dem Nationalen Drogenaktionsplan und internationalen Standards verfolgen wir mit dem Betreiben des Drogenkonsumraumes folgende Ziele:

  • Gesundheitliche Ziele
    • Vermeidung von Infektionen und schweren Folgeerkrankungen (HIV, HepC, Abszesse, etc.)
    • Verhinderung von Überdosierungen und Drogentodesfällen
    • Verbesserung des Kenntnisstands der Drogengebraucher zu Risiken des Drogengebrauchs
    • Wechsel zu risikoärmeren Konsumformen wie Blowen und Sniefen
  • Ordnungspolitische Ziele
    • Reduzierung der Belastung der Öffentlichkeit
  • Drogentherapeutische Ziele
    • Kontaktaufnahme und -pflege von schwer erreichbaren Drogenkonsumenten
    • Erhöhung der Motivation zur Veränderung der aktuellen Lebenssituation.

Das Abrigado spricht sich für die regionale sowie dezentrale Versorgung der Drogenhilfe aus. Ziel ist hier die Reduzierung der Masse durch kleinere regionale Strukturen (Norden, Zentrum, Süden) zu erreichen. Dies führt letztendlich zu einer Entlastung des öffentlichen Raumes. Die Versorgung sollte dort stattfinden, wo die Drogenkonsumenten leben. Eine weitere Folge wäre eine Effizienzsteigerung der getroffenen Maßnahmen.

Weitere Informationen über Drogenkonsumräume finden sie:

Bereichsleitung Drogenkonsumraum
Julia Hunsicker, Dipl. Psychologin
Tél. + 352 273 684 – 11
Fax + 352 273 684 – 10
Contact

Öffnungszeiten:
Montags: 12:00 – 19:00
Dienstags: 12:00 – 19:00
Mittwochs: 12:30 – 16:00
Donnerstags: 9:00 – 16:00
Freitags: 9:00 – 16:00
Samstags: 12:00 – 19:00
Sonntags: 12:00 – 19:00